Mamalapapp

Wenn die Zeit nach der Geburt

Meine Schwangerschaft war ein Traum: kaum körperliche Beschwerden, keine Übelkeit und eine wunderschöne Babykugel. Den ersten „Einschnitt“ gab es, wie bei vielen anderen werdenden Müttern, durch die Corona-Pandemie. Schnell wurden aus gemeinsamen Terminen beim Frauenarzt, Alleingänge. Am 21.11.2020 kam mein kleiner Sohn per Kaiserschnitt zur Welt und landete direkt in meinen Armen. Zwei Stunden später musste mein Mann dann leider das Krankenhaus, aufgrund der Pandemievorschrift, verlassen. Worauf habe ich in diesem Augenblick gewartet? Auf dieses Gefühl, welches Neu-Mamas eigentlich immer überkommt – schließlich hat Social Media mich genau darauf vorbereitet. Schnell merkte ich allerdings: Jetzt ist das Kind da, jetzt hast du Verantwortung, jetzt verändert sich dein ganzes Leben schlagartig. Angst überkam mich. Das Schreien von meinem Baby, welches natürlich ganz normal ist, löste absoluten Stress in mir aus. Aus Stress wurde von Stunde zu Stunde Panik, bis ich schließlich nachts die Krankenhausschwestern darum bat, mir das Kind abzunehmen und den Raum zu verlassen. Dann war es so weit, ich fing an zu glauben, dass ich eine schlechte Mutter sei, keine Gefühle für meinen Sohn habe und ich das alles überhaupt nicht kann. Vier Tage nach der Entbindung ging es nach Hause. Dass aus schlecht noch schlechter werden kann, habe ich später feststellen müssen. Ich habe mich komplett eingerollt, lag mit meinem Sohn auf dem Sofa. Mein Mann durfte den Raum kaum verlassen, nicht einkaufen, nicht in den Garten. Ich brach sofort in Tränen aus. Obwohl ich gestillt habe, verspürte ich keinen Appetit, nahm kaum Nahrung zu mir und verlor rapide an Gewicht. Besuch nach der Geburt? Fehlanzeige! Ich wollte niemanden sehen, weder Familie oder Freunde. Keiner sollte mein Kind anfassen, obwohl ich eigentlich nur aufstehen und gehen wollte. Natürlich versuchte mein Mann sein Bestes, allerdings war er mehr mit dem Kind beschäftigt. Wie soll sich eine Person um ein Neugeborenes und um eine Mama kümmern, die sich so sehr einigelt und nichts und niemanden sehen oder hören wollte? Unmöglich! Mit dem Thema Wochenbettdepression hatte ich mich nie befasst oder auseinandergesetzt. Nachdem ich mich über Wochen in diesem Zustand befand, fing ich allerdings an, mit meiner Familie darüber zu sprechen. Rückblickend kann ich Folgendes sagen:

  • Ja, ich hatte eine Wochenbettdepression.
  • Ja, mit professioneller Hilfe hätte ich es sicherlich „schneller“ geschafft.
  • Nein, ich bin deshalb keine schlechte Mutter!

Obwohl ich mich durch die Depression kaum an die Neugeborenenzeit erinnern kann und aufgrund der Corona-Pandemie leider auch kein Babyshooting gemacht habe, weiß ich ganz genau: Ich war keine schlechte Mutter. Ich war eine Mutter, die von nicht vorhersehbaren Gefühlen überrannt wurde. Auch nach Jahren spüre ich die Narben dieser intensiven Zeit immer noch. Ich bin traurig darüber, dass ich vieles „verpasst“ habe, obwohl ich doch eigentlich vor Ort war. Allerdings habe ich meinen „Frieden“ gefunden. Und merke Dir eins: Eine Wochenbettdepression oder der Babyblues macht aus Dir keine schlechte Mutter.

Kolumnistin: Cassandra Roolfs

Während der „Babyblues“ von selbst vergeht, benötigt eine Postpartale Depression professionelle Behandlung Das Wunschkind hat gesund und munter das Licht der Welt erblickt. Verwandte und Freunde beglückwünschen das frischgebackene Familienglück. Doch die Realität sieht bisweilen ganz anders aus. Viele Mütter gehen in dieser Lebensphase durch ein Tal der Tränen: Sie leiden unter einer Postpartalen Depression, im Volksmund auch als Wochenbettdepression bekannt. Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen während der Schwangerschaft. Auch nach der Entbindung zeigen 50 bis 80 Prozent aller Mütter Symptome einer kurz andauernden depressiven Verstimmung. Der sogenannte „Babyblues“ überschattet mit Stimmungsschwankungen, häufigem Weinen, Schlaf- und Ruhelosigkeit die Freude über das Neugeborene. Allerdings klingen die Symptome meist zwischen dem dritten und fünften Tag nach der Geburt auch ohne Behandlung wieder ab. Beeinträchtigung der kindlichen Entwicklung Bei längeren Phasen depressiver Verstimmungen liegt eine Postpartale Depression vor. Sie bedarf einer professionellen Behandlung – andernfalls kann sie die kognitiven und emotionalen Fähigkeiten des Kindes und das Familienleben nachhaltig beeinträchtigen. In ihrer Ausprägung ähneln die Symptome einer Wochenbettdepression anderen depressiven Störungsbildern, weisen jedoch einige Besonderheiten auf. So zeigen Mütter eine ausgeprägte emotionale Labilität, Zweifel an ihren Fähigkeiten als Mutter und übermäßige Angst um das Wohlergehen des Kindes. Weiterhin charakteristisch: die Unfähigkeit, positive Gefühle für das eigene Kind zu entwickeln, bis hin zu Zwangsgedanken, das Kind zu schädigen. Eine postpartale Depression kann jede Mutter treffen. Schließlich krempeln Schwangerschaft und Geburt fast alle Lebensbereiche um. Frauen, die bereits in Lebensphasen vor der Entbindung an depressiven Verstimmungen gelitten haben, sind jedoch stärker gefährdet, eine Wochenbettdepression zu entwickeln. In der Regel ist die Erkrankung gut behandelbar. Je nach Ausprägung bietet sich eine kombinierte psychotherapeutische und medikamentöse Behandlung an.