Selbsthilfegruppen

Wenn

Fremde zu Vertrauten

werden

Selbsthilfegruppen

Wenn

Fremde zu Vertrauten

werden

Wenn die Psyche aus dem Gleichgewicht gerät, können Selbsthilfegruppen eine starke Unterstützung sein. Auch junge Menschen leiden unter Depressionen und Angstzuständen, fühlen sich einsam oder sind davon überzeugt, von niemandem verstanden zu werden. Im Worst Case sind sie nahe an der Selbstaufgabe. Im Raum Herford bietet der „Ankerplatz“ betroffenen jungen Erwachsenen seit Jahresbeginn eine Möglichkeit des Austausches. Besuch bei einer besonderen Selbsthilfegruppe, die sich über weitere Mitglieder freut. „Wir sind eigentlich mitten im Leben und wollen alles. Und das privat wie beruflich. Genau das gelingt manchmal nicht, weil belastende psychische Zustände uns immer wieder einholen. Die fressen sich tief in die Seele und lassen uns manchmal nicht mehr los“, sagt Catharina Ernst. Seit ihrem 14. Lebensjahr erlebt die heute 30-Jährige in unregelmäßigen Abständen depressive Phasen, die sie aus dem Lot bringen. Nach einem Burn-out im Jahr 2021 half ihr eine Reha wieder in die Spur. „Über professionelle Therapie hinaus habe ich in dieser Zeit an der eigenen Seele erfahren, wie wichtig Austausch unter Menschen in vergleichbaren Situationen ist. Es fühlt sich wie ein Gespräch unter Freunden an, die sich zu 100 Prozent verstehen“, sagt sie. Für Catharina Ernst stand fest: „Ich gründe eine Selbsthilfegruppe!“ Genau diesen Austausch in einer Gruppe leben sie und die anderen jungen Menschen mit Depressionen und Angstzuständen gemeinsam bei ihren Treffen, mit denen sich der „Ankerplatz“ an junge Erwachsene zwischen 18 und 40 Jahren richtet. „Zusammen arbeiten wir daran, aus dem Frust rauszukommen, neue Stärken und Ziele zu entwickeln oder die Freizeit zu gestalten“, schildert Catharina Ernst das Miteinander, in dem es vor allem eines nicht gibt: Zwänge! Stattdessen begibt man sich in vertrauensvollen Gesprächen auf die Suche nach neuen Pfaden, die nicht selten abseits von Rollenklischees oder gesellschaftlichen Erwartungen gefunden werden.

Für Iris Busse, hauptamtliche Mitarbeiterin der Selbsthilfe-Kontaktstelle Minden-Lübbecke wie des Paritätischen Selbsthilfe-Büros Herford, ist Erfahrungsaustausch unter Betroffenen einer der zwei Schwerpunkte von Selbsthilfeaktivitäten. „Deren Arbeit setzt dort an, wo das sozialstaatliche und professionell-medizinische Versorgungssystem an seine Grenzen stößt“, sagt sie und betont: „Selbsthilfegruppen können eine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung nicht ersetzten, diese aber sinnvoll ergänzen und unterstützen.“ Unter diesem Aspekt gewinne die Arbeit von Selbsthilfegruppen immer mehr an Bedeutung. Professioneller Rat von Ärzten, Therapeuten oder den Mitarbeitenden der Kontaktstellen könne auf Wunsch der Gruppenteilnehmer und -teilnehmerinnen dennoch mit einfließen. „Experten kommen auf Einladung einer Gruppe gerne dazu“, so Iris Busse. Der größte Lohn für die Arbeit einer Selbsthilfegruppe liegt aus ihrer Sicht darin, dass deren Mitglieder ihren Alltag besser bewältigen. „Die Rückkehr in den Alltag ist der zweite zentrale Punkt der Selbsthilfeaktivitäten.“ Hilfe bieten die Kontaktstellen auch dort, wo es um die Gründung einer Selbsthilfegruppe geht. „Wir begleiten Initiatoren beim Start einer neuen Gruppe – sei es bei räumlichen und finanziellen Fragen wie auch bei der Moderation erster Treffen.“ Auch bei der Öffentlichkeitsarbeit greifen sie unter die Arme, vernetzen die Gruppen miteinander wie auch mit Profis aus dem Gesundheitswesen. Nach dem Motto „Selbsthilfe – Experten in eigener Sache“ steht für die bkk melitta hmr und deren Vorgänger, die bkk melitta +, seit Jahren die Unterstützung von Selbsthilfegruppen im Fokus. „Für unseren Vorstand ist es eine Herzensangelegenheit, die freiwilligen, gesundheitsbezogenen Zusammenschlüsse zu fördern, die Kompetenz aus Betroffenheit mitbringen. Mental Health ist hier ein immer wichtigeres Thema“, sagt Tobias Lange aus dem Gesundheitsmanagement der bkk melitta hmr. Geregelt ist die Unterstützungsleistung von Gruppen, Verbänden und Kontaktstellen seit 2008 durch Paragraph 20h des Sozialgesetzbuches (§ 20h SGB V). Gegliedert ist die Unterstützung der GKV in NRW in krankenkassenübergreifende Pauschalförderung (70 Prozent der jährlich zur Verfügung stehenden Fördersumme) und krankenkassenindividuelle Projektförderung (30 Prozent der Fördersumme). „Mit knapp 54.600 Versicherten im Kreis Minden-Lübbecke und mehr als 21.500 in Herford sind wir regional die stärkste regionale Betriebskrankenkasse und sind federführend in der Vergabe der Gelder in beiden Regionen“, so Lange. Während im Rahmen der Pauschalförderung laufende Kosten wie Miete, Büroausstattung oder Onlinesicherheit unterstützt werden, geht es bei Projektförderung um Einzelmaßnahmen. Konkret standen in Minden-Lübbecke rund 60.000 Euro und im Bereich Herford rund 49.000 Euro für die Förderung der Selbsthilfe zur Verfügung. Von mehr als 400 aktiven Gruppen in beiden Kreisen wurden 110 Anträge eingereicht.

Ihre Ansprechpartner/-innen für Selbsthilfeförderung der bkk melitta hmr

Tobias Lange Telefon: 05221 1026-344 E-Mail: tobias.lange@bkk-melitta.de

Andrea Maas Telefon: 04731 9334-112 E-Mail: andrea.maas@bkk-melitta.de

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